Die Geburtsstunde der Turbo-Actioner.
Als Auftragsmörder hat Chev Chelios (Jason Statham) nicht nur Freunde. Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) zum Beispiel ist keiner. Er vergiftet Chelios, welcher daraufhin nur noch eine Stunde zu leben hat. Es bleibt Chelios also nicht viel Zeit, um sich zu rächen und ein Gegenmittel zu suchen. Doch er kann die Wirkung des Gifts hemmen und sich selber mehr Zeit verschaffen, indem er sich Adrenalinkicks zufügt.
Im Verleih von Ascot Elite
Bereits die Geschichte hört sich aussergewöhnlich an und verspricht einen temporeichen Film. Und diese Erwartungen erfüllt «Crank» locker. Als während dem ultrakurzen Vorspann der Schriftzug «Crank» erscheint, blinkt der Hintergrund bereits in bunten Farben, getrieben von rockigem Sound. Der Film fesselte mich von der ersten Minute an, denn genauso wild geht es ununterbrochen weiter. Chelios rennt los und gönnt dem Zuschauer ebenso keine Verschnaufpause, wie sich selbst. Häufig beschafft er sich die nötigen Adrenalinstösse auf äusserst kuriose Art und Weise, indem er beispielsweise mit seinem Auto mitten durch ein Einkaufszentrum fährt, dabei von der Polizei verfolgt wird und gleichzeitig mit seinem Doktor telefoniert. Und das ist noch harmlos. «Crank» hält eine ganze Reihe von abnormalen Einfällen bereit, was ihn stellenweise auch humorvoll macht.
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Unterstützt wird das rasante Geschehen zudem von der Inszenierung, die der Alptraum jedes Epileptikers und aller Anhänger von «eleganter» und «meisterlicher» Filmkunst ist. Offenbar haben die Regisseure jeden Spezialeffekt und jede Kameraeinstellung eingesetzt, die ihnen gerade so in den Sinn gekommen sind. Ein hektischer Schnitt jagt den nächsten, gefolgt von Bildverzerrungen und Farbverfremdungen. Ein regelrechtes Effektgewitter, das sich in kein Schema einordnen lässt. Sowieso ist in «Crank» fast nichts normal. Alles muss irgendwie abgefahren und schräg sein.
Im Grunde genommen gibt es auch einiges, worüber ich mich ärgern könnte, doch dazu bleibt meistens gar keine Zeit. Denn die erste Filmhälfte gehört zugegeben zum Unterhaltsamsten, was mir je vor die Linse gekommen ist. Danach scheint es mir, als habe der Film eine Länge. Dieser Eindruck entsteht vermutlich auch wegen des ansonsten horrend hohen Tempos. Bei jedem anderen Film würde dieser Hänger kaum als solcher wahrgenommen. Davon gibt es kurz vor dem Finale leider nochmals einen, was meinen Gesamteindruck etwas trübt.
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Zudem wäre ich froh gewesen, wenn der Film zumindest in einem Punkt nicht so übertrieben hätte. Ich kreide ihm an, dass er stellenweise zu pervers ist. Die Sexszene auf offener Strasse passt hier zwar ausnahmsweise ins Gesamtbild, hätte aber ebenso wenig sein müssen, wie die vielen Frauen, die oben ohne am Schwimmbeckenrand liegen. Oder warum muss sich Ricky Verona ausgerechnet einen Blasen lassen, als ihn Chelios anruft? Derartiges finde ich höchst geschmacklos und unnötig, zumal die Drehbuchschreiber genug andere skurrile Einfälle hatten, womit sie ihre Kreativität unter Beweis stellen, und dass es eigentlich auch anders gegangen wäre.
In Sachen Action gibt es Chev Chelios zu sehen, der sich stets auf Trab hält und dabei für Sachschaden und irrwitzige Situationen sorgt, welche zudem mehrere Male für einen Lacher gut sind. Geboten werden vor allem Keilereien und Schusswechsel sowie eine Verfolgungsjagd per Auto. Das alles wird eher kurz gehalten, die Häufigkeit soll’s hier richten, ein Rezept, das meistens aufgeht. Erwähnenswert scheint mir, dass «Crank» dabei ebenso wenig zimperlich mit der Brutalität umgeht wie mit dem gesamten Rest. Da wird schon mal einem Typen die Hand mit einem Fleischermesser abgehackt und das Blut spritzt in rauen Mengen. Auf jeden Fall nichts für Zartbesaitete (eigentlich ja nicht nur wegen den brutalen Szenen).
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Weiter sehe ich «Crank» als Erfinder oder zumindest Bekanntmacher einer «Sorte» von Actionfilmen, die ich gerne «Turbo-Actioner» nenne. Andere Vertreter entstanden zum Teil früher als «Crank», aber von all diesen habe ich nun mal «Crank» als erstes gesehen. Zu den angesprochenen Filmen zähle ich zum Beispiel «Ghettogangz», «The One» und «Shoot ’em up». Glücklicherweise handelt es sich dabei nicht um billige Kopien des vorliegenden Filmstücks, sondern sie haben einzig das Konzept übernommen und darum herum ihre eigene Welt geschaffen.
Bei Turbo-Actionern dreht sich alles darum, in möglichst kurzen Abständen eine Vielzahl von Actionsequenzen aneinander zu reihen, unabhängig davon, wie lang oder kurz diese sind, unterstützt von einem treibenden Soundtrack, humoristischen Einlagen und eventuell noch innovativen oder schrägen Einfällen. Die Realitätsnähe spielt dabei keine Rolle.
Fazit: Bestimmt einer der rasantesten Filme überhaupt, ein Turbo-Actioner, vollgestopft mit allerlei verrückten Ideen und wilden Inszenierungsweisen. Sehr unterhaltsam.
 | Originaltitel: Crank | |
| Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor | Dezember 2009 |
Teile:
Crank
Crank 2 - High Voltage