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9 / 10  

Im Körper des Feindes

Stylischer Actionthriller mit aussergewöhnlicher Story.

FBI-Agent Sean Archer (John Travolta) ist schon lange hinter dem Terrorist Castor Troy (Nicolas Cage) her. Endlich kriegt er ihn zu fassen. Doch der im Koma liegende Troy hat noch ein letztes Ass im Ärmel: Er hat zusammen mit seinem Bruder Pollux irgendwo in L. A. eine Bombe mit Zeitzünder versteckt. Um von Pollux den genauen Ort der Bombe zu erfahren, schlüpft Archer in die Rolle von Castor Troy – mittels Gesichtstransplantation. Alles läuft nach Plan. Doch plötzlich erwacht Troy aus seinem Koma und nimmt die Identität von Archer an.

Szenenbild aus Im Körper des Feindes

Die gesamte Operation mit dem Gesichtsaustausch ist natürlich völlig unrealistisch. Und wer John Woo kennt, der weiss ohnehin, dass man bei seinen Filmen keine Wirklichkeitsnähe erwarten darf. Trotzdem ist «Im Körper des Feindes» alles andere als stupides Actionspektakel. Der Rollentausch und die beiden Männer, die jetzt ihren langjährigen Gegner zu spielen und sich in dessen Umfeld zurecht zu finden versuchen, bieten eine interessante Grundlage für eine amüsante Geschichte und verzwickte Situationen. Zum Glück schöpft der Streifen dieses Potential auch voll aus. Eine derart gute Story hatte zuvor wohl noch kein John Woo-Film zu bieten. Vermutlich ist dies der Hauptgrund, weshalb
«Im Körper des Feindes» als Woos bester Hollywood-Streifen und Klassiker gilt.

Nicht nur die Story macht den Film zum Vergnügen, sondern auch einige weitere Stärken. Besonders hervorzuheben sind auf jeden Fall die enorm starken Schauspieler, die zur Hochform auflaufen. John Travolta und Nicolas Cage zeigen mit Sicherheit eine ihrer besten Leistungen. Absolut meisterlich, da muss man den beiden ein Kränzchen winden. Derartige Schauspielerei ist zudem notwendig, will man der Geschichte trotz allem eine möglichst hohe Glaubwürdigkeit verleihen.
Ferner ist die musikalische Untermalung gelungen, wobei mir jedoch aufgefallen ist, dass der Ton dennoch völlig in die Hose gegangen ist. Denn die Musik und die Actionszenen dröhnen so laut sie können aus den Lautsprechern, aber die Dialoge dazwischen sind viel leiser und kaum zu hören. Ständiges Lautstärke Hinaufschrauben und wieder Zurückstellen ist die Folge. Ärgerlich.
Auffallend ist, dass «Im Körper des Feindes» enorm stylisch ist, durchgestylt bis ins Detail. Die Bilder und die Inszenierung sind top und lassen eindeutig alle möglichen Stilmittel des Regisseurs erkennen.

Szenenbild aus Im Körper des Feindes

Seinen phänomenalen Ruf hat der Film verdient, auch wenn eingefleischte Woo-Fans leicht etwas vermissen können. Denn die tiefe Charakterzeichnung und verrückte Story lassen die Action annähernd zur Nebensache werden, weshalb sie für einen Film dieses Regisseurs viel zu wenig vertreten ist. Nach dem eröffnenden Aufeinandertreffen der beiden Rivalen auf einem Flugplatz, herrscht actionmässig zunächst Ebbe. Actionfanatiker müssen (zu) lange warten, bis es wieder rund geht. Vor allem bei mehrmaligem Ansehen, wenn man die Geschichte bereits kennt, ist dies störend oder zumindest schade.
Insgesamt gibt es nur vier grössere Actionsequenzen. Immerhin lässt sich auch bei ihnen der Stil von John Woo eindeutig erkennen und es werden alle Elemente eingesetzt, die man von ihm kennt. Besonders auffällig finde ich die legendäre Szene mit dem Spiegel, wie es sie bereits in «Harte Ziele» in sehr ähnlicher Form zu sehen gab.
Insgesamt wird vor allem geschossen, geprügelt und explodiert. Alles schön anzusehen. In Erinnerung bleibt auch die Verfolgungsjagd zwischen zwei Booten während dem Finale. Rückblickend ist und bleibt es leider so, dass ich mir einige Actionszenen mehr gewünscht hätte, was eine noch höhere Wertung meinerseits verhindert.

«Im Körper des Feindes» ist zusammenfassend allen zu empfehlen. Auch denjenigen, die sich ansonsten einen solchen Film, aus welchem Grund auch immer, nicht freiwillig antun. Hervorragende Story, brillante Schauspieler und von A – Z durchgestylt. Und so bleibt als einziger Wermutstropfen nur die zurückhaltende Actionmenge übrig.

 
Originaltitel: Face/Off
Regie: John Woo September 2009