Frankreichs Beitrag zum Sub-Genre des Turbo-Actioners.
Längst ist das Banlieue 13 zum Sorgenkind von Paris avanciert. Das Ghetto wurde mittlerweile mit einem Isolationswall umzäunt und schon allein aufgrund der hohen Kriminalitätsrate will und kann kein Aussenstehender in diesen Vorstadtbezirk gelangen. Dummerweise gelingt es ausgerechnet einem der dortigen Gangleader namens Taha (Bibi Naceri) eine schlagkräftige Bombe zu stehlen. Der Polizist und Martial Arts-Experte Damien (Cyril Raffaelli) erhält den undankbaren Auftrag, diese Massenvernichtungswaffe unter Zeitdruck wieder zu beschaffen. Daher muss er den Sträfling Leito (David Belle) dazu bringen, ihm zu helfen, weil dieser im 13. Bezirk aufgewachsen ist und sich dort auskennt.
Bild Pathé Films
Mit «Ghettogangz» wird das von mir selbst ernannte Sub-Genre des Turbo-Actioners um eine Sensation reicher. Dies verdanken wir hauptsächlich der temporeichen Inszenierung von Regisseur Pierre Morel, welcher anschliessend diesem Stil treu blieb, zum grossen Glück vieler Actionfans, und weitere beeindruckende Werke schuf wie beispielsweise «96 Hours» oder «From Paris With Love» und sich damit zum Actionspezialist mauserte. Visuell zeichnet er ein düsteres Bild der Banlieues von Paris, benutzt dieses jedoch nur als Aufhänger für seine Action und präzisiert die angesprochenen sozialen Probleme nicht weiter. Tiefgründigkeit und Komplexität sind für «Ghettogangz» ohnehin Fremdwörter. Er muss sich meinerseits den Vorwurf gefallen lassen, stupid und vollkommen oberflächlich zu sein, wobei vor allem der Schluss kaum an Dummheit zu überbieten ist. Einzig die gute Laune zählt. Dafür sorgen unter anderem der adrenalintreibende Soundtrack sowie die simplen, aber effektiven Witze. Die Darsteller müssen nicht schauspielern, sondern hauptsächlich rennen und kämpfen, wofür sie folglich taugen.
Bild Pathé Films
Gleich zu Beginn wirft «Ghettogangz» den Zuschauer in die erste wilde Actionszene in Form einer langen Parkour-Verfolgungsjagd. Wenn man bedenkt, dass David Belle diese Sportart erfunden hat, erstaunt es nicht besonders, dass dieser Auftakt zu den besten Parkour-Szenen überhaupt gehört und daraufhin nicht nur in James Bond Nachahmer fand. Die anschliessende Einführung der zweiten Hauptfigur, gespielt von Cyril Raffaelli, setzt noch einen drauf. Im Alleingang schiesst und kämpft sich der Superbulle in bester Martial Arts-Manier durch eine ganze Horde Bösewichte. Danach vermöbeln die beiden Hauptdarsteller gemeinsam ihre Gegner. Diese feuern teilweise mit Kanonen auf die beiden, aber bei der Treffsicherheit besteht wie üblich Verbesserungspotenzial. Insgesamt gibt es kaum Abwechslung und viele Actionszenen fallen eher kurz aus, dafür gefällt deren hohe Konzentration. Man muss nie lange warten, bis es wieder eins auf die Mütze gibt, lediglich vor dem nur halbwegs befriedigenden Finale entsteht eine Lücke, was prompt zu einem unschönen Hänger führt. Gegen Ende hin lässt «Ghettogangz» also etwas nach, aber dennoch beschert die Action, die zudem super inszeniert wird, Genrefans wie mir ein gefundenes Fressen.
Alles in allem gehört «Ghettogangz» zum Explosivsten, was Frankreich zu bieten hat und sollte von keinem Actionfan ausgelassen werden. Die Geschichte ist lächerlich und mutet dem Zuschauer einige Dämlichkeiten zu, dafür wird das ganze mit einer wohltuenden Ladung humoristischer Sprüche versehen und extrem temporeich inszeniert. Allez les Bleus!
 | Originaltitel: Banlieue 13 | |
| Regie: Pierre Morel | Dezember 2010 |
Teile:
Ghettogangz – Die Hölle vor Paris
Ghettogangz 2 - Ultimatum