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Hostage – Entführt

Einigermassen gelungene Belagerung.

Jeff Talley (Bruce Willis) gilt beim LAPD als erfahrendster Verhandlungsführer bei Geiselnahmen. Eines Tages läuft jedoch eine Geiselnahme aus dem Ruder, woraufhin Talley einer weniger brisanten Tätigkeit nachgehen möchte und sich in die ländliche Gegend Bristo Camino versetzen lässt. Derweil wagen die Gelegenheits-Gangster Dennis (Jonathan Tucker), Mars (Ben Foster) und Kevin (Marshall Allman) den Einbruch in die Villa der Familie Smith, wobei sie den stummen Alarm auslösen. Als plötzlich die Polizei vor der Tür steht, eskaliert die Situation und die drei Jungs sehen sich gezwungen, Jennifer (Michelle Horn) und Tommy (Jimmy Bennett) sowie deren Vater (Kevin Pollak) als Geiseln zu nehmen. Und schon wird Jeff Talley erneut in diejenige Rolle gedrängt, die er eigentlich hinter sich lassen wollte, zumal einige andere Verbrecher seine Familie entführen und ihn zu den Verhandlungen zwingen.

Szenenbild aus Hostage – Entführt

Ein Belagerungsszenario und Bruce Willis in der Hauptrolle... Kann eigentlich nur gut kommen. Dummerweise sind die Jünglinge mit der ungewollten Situation überfordert, sodass man sowieso nur einen der Bösewichte wirklich ernst nehmen kann, und die Geiselnahme wider Willen empfinde ich als zu arg konstruiert. Vor allem aufgrund von Ersterem fehlt deshalb der nötige Biss wie ihn beispielsweise «Das Ende» besitzt. Ausserdem wird mir die Rolle des kleinen Tommy zu stark gewichtet.

Inhaltlich strauchelt «Hostage» beinahe, dafür glänzt er mit einer farblich famosen Optik, insbesondere bei den Nachtaufnahmen und Bilderbuch-Zeitlupen. Auch der Vorspann ist mal was anderes und kreativ. Ferner trägt der überzeugend agierende Willis während den ersten Minuten einen Bart, was recht ungewohnt, nicht unbedingt fehlplaziert, aber trotzdem lustig anmutet. Die Musik und die Komik halten sich grösstenteils zurück, was aber nicht ins Gewicht fällt. Allen Mängeln zum Trotz schafft es «Hostage» auf beinahe mysteriöse Weise, mich ungefähr bei Stange zu halten und stets ein Minimum an Unterhaltung zu wahren.

Szenenbild aus Hostage – Entführt

Die eröffnende, eskalierende Geiselsituation gestaltet sich eher dramatisch und ist noch nicht auf Action aus. Erst die Villa erlebt den ersten kurzen, aber fein gemachten Schusswechsel mit. Danach ergeben sich erst mit der Zeit weitere Scharmützel, die allesamt kurz geraten, unter anderem auch, weil eher auf Spannungsmache gesetzt wird. Bei derart wenig Kanonenfutter ist es verständlicherweise schwierig, ausgiebige Schlachten zu kreieren. Daher macht die Action erst gegen Schluss wieder von sich reden, als das Haus endlich gestürmt wird. Dabei besticht Regisseur Florent Emilio Siri durch den visuell beeindruckenden Einsatz von Feuer. Das abschliessende kurze Aufräumen der Hauptperson mit den Entführern seiner Familie wird noch der Vollständigkeit halber angehängt.

Fazit: Die jungen Geiselnehmer wirken zu wenig gefährlich und lassen nur kleinere Spannungsbögen zu. Zudem verhindert die begrenzte Anzahl Beteiligter das Zustandekommen gross angelegter Actionszenen. Somit sind es die brillante Optik und Bruce Willis, die «Hostage» über den Durchschnitt sowie in meine DVD-Sammlung befördern.

 
Originaltitel: Hostage
Regie: Florent Emilio Siri September 2010