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9 / 10  

Inception

Meisterlich dargestellte Traumwelten.

Für gut zahlende Kunden aus der Geschäftswelt taucht Meisterdieb Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) in die Träume anderer Leute ein und stiehlt die gewünschten Informationen aus deren Unterbewusstsein. Allerdings schafft er es nicht wie geplant den Industriellen Saito (Ken Watanabe) zu bestehlen und gerät dadurch in Schwierigkeiten. Dieser unterbreitet ihm ein verlockendes Angebot: Cobb soll für Saito bei dem Konzern-Erben Fisher (Cillian Murphy) eindringen und in dessen Unterbewusstsein einen neuen Gedanken einpflanzen. Also gerade das Umgekehrte von dem, was er sonst tut, eine Inception anstatt einer Extraktion. Als Gegenleistung wird Saito dafür sorgen, dass Cobb in die USA zu seinen Kindern reisen kann, obwohl er dort wegen Mordverdachts an seiner Frau Mal (Marion Cotillard) gesucht wird.

Szenenbild aus Inception

Was habe ich im Vorfeld nicht alles über «Inception» vernommen... Vorschusslorbeeren bis zum geht nicht mehr, was meine Vorfreude beinahe ins Unerträgliche gesteigert hat. Gleichzeitig ist aber auch die Angst gewachsen, dass die enorm hohen Erwartungen nicht erfüllt werden könnten. Und genau deshalb bin ich nun etwas enttäuscht, denn offensichtlich habe ich einfach zu viel erwartet. Wer ebenfalls ein Meisterwerk ohnegleichen erwartet, sollte seine Ansprüche besser etwas herunterschrauben.

Die Geschichte ist innovativ und durchdacht, aber doch nicht so kompliziert und schwer zu verstehen wie erhofft. Nach der verwirrenden Eröffnungsszene wird dem Zuschauer grösstenteils verständlich erläutert, wie das Eindringen in die Traumwelten und das wieder Zurückholen aus denselben funktioniert. Trotz einigen beeindruckenden Szenen hätte diese Einführung gut und gerne stark gekürzt werden können. Erst nach ungefähr einer Stunde beginnt die eigentliche Mission des Teams und von da an bietet der Film auch das, was ich erwartet habe. Verschiedene Handlungsebenen, den Träumen entsprechend, in welchen sich die jeweiligen Personen gerade befinden, gepaart mit mehr Action. Ganz grosses Kino!

Ebenfalls in die Handlung eingeflochten wird die Vergangenheit Cobbs, mit der er noch nicht abgeschlossen hat und welche die Aktivitäten des gesamten Teams gefährdet. Dabei taucht seine einst gestorbene Ehefrau wieder auf, was mich mehrmals an sein letztes Werk «Shutter Island» erinnert hat. Dies ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits entstehen dadurch mehrere dramatische Momente, die für sich genommen gelungen sind, andererseits nehmen sie dem Rest des Geschehens regelmässig den Wind aus den Segeln, was wiederum sehr schade ist. Auch hier wäre ich froh gewesen, wenn es die Macher früher auf sich hätten beruhen lassen.

Szenenbild aus Inception

Als grosses Plus stellt sich natürlich die talentierte Darstellerriege heraus, wobei Leonardo DiCaprio berechtigterweise am meisten Aufmerksamkeit geschenkt wird. Doch auch die Nebenrollen lassen sich sehen. Ebenso grandios fällt die musikalische Unterstützung von Hans Zimmer aus.
Am Beeindruckendsten ist aber eindeutig die optische Umsetzung. Allgemein schöne Bilder und Farben werden gekrönt von den Traumwelten, deren Visualisierung gigantisch und spektakulär gerät. Schlicht meisterlich.

Schlussendlich gibt es auch einige Actionsequenzen zu sehen, hauptsächlich in der zweiten Filmhälfte. Es wird geschossen, gerannt, verfolgt, gekämpft und explodiert. Leider werden die Sequenzen immer wieder dadurch unterbrochen, dass von einer Erzähl- und gleichzeitig Traumebene zur nächsten und wieder zurück gesprungen wird. Da die Handlungen parallel zueinander ablaufen, mag dies richtig sein, jedoch verhindert es, dass bei mir als Genrefan so richtig Freude an der Action aufkommt. Und letztendlich steht sie auch nicht im Vordergrund und kommt nie künstlich zustande. Nach dem Trailer habe ich mir auch hiervon mehr erhofft. So muss die schiere Zerstörungswut wieder einiges wettmachen, denn es geht vieles zu Bruch. Speziell in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene, in der Cobb in einem Strassencafé in Paris sitzt, währenddem rund um ihn herum die halbe Strasse in die Luft fliegt, und zwar in Zeitlupe. Ebenso erwähnenswert scheint mir ein intensiver Zweikampf in Schwerelosigkeit, oder genauer gesagt bei rasch wechselnder Erdanziehungskraft.

Szenenbild aus Inception

Bleibt abschliessend nur noch die Frage zu klären, weshalb in anderen Filmkritiken immer wieder von 007-Vergleichen zu lesen ist. Meine lieben Kritikerkollegen, aber mit James Bond hat der Streifen nun wirklich rein gar nichts zu tun! Zum Glück. Des Weiteren ist es mir ein Rätsel, weshalb im Rahmen der «Inception»-Filmkritiken schon wieder der nicht annähernd so gute und komplexe «The Dark Knight» herbeigezogen und als Meisterwerk gefeiert werden muss. Aber lassen wir das, ich wollte es nur noch mal kurz erwähnt haben...

Fazit: Für einmal nichts Altbackenes. «Inception» präsentiert uns viel Neues und Innovatives, in der heutigen Filmbranche durchaus willkommen. Die Idee ist überraschend ausgereift und vor allem visuell meisterhaft umgesetzt. Grandiose Darsteller und Filmmusik vervollständigen den positiven Gesamteindruck. Nur leider ist die Einführung ein Vielfaches zu lang geraten und die inneren Kämpfe des Hauptcharakters bremsen den Film wiederholt. Trotz noch höherer Erwartungshaltung beeindruckend.

 
Originaltitel: Inception
Regie: Christopher Nolan August 2010