Für einmal kein No-Brainer von Actionregisseur Michael Bay.
Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) verbringen ihr Leben in einem von der Aussenwelt abgeschnittenen Wohnkomplex. Sie sind glückliche Überlebende einer globalen Katastrophe, welche die restliche Welt zerstört hat. Ihr psychischer und gesundheitlicher Zustand wird täglich pingelig genau kontrolliert, der Tagesablauf und die geltenden Regeln sind ebenso genau festgelegt und werden vom Personal überwacht. Der Wissensstand der Bewohner und die Fähigkeit, eigenständig zu Denken, sind nur sehr begrenzt. Die einzige Hoffnung der Bewohner ist die Lotterie, bei der mehrmals wöchentlich jemand gewinnt und dann auf die Insel darf – das letzte naturbelassene Paradies. Lincoln Six-Echo beginnt jedoch an vielem in seinem Leben zu zweifeln. Er vermutet, dass es dennoch eine andere Welt, eine Aussenwelt, geben und das ganze Gerede über die Insel eine Lüge sein könnte.
© Warner Bros. Ent. All rights reserved.
Regisseur Michael Bay erschuf eine beachtliche Zukunftsvision. Denn für einmal ist die Story sehr genau durchdacht und dient nicht einfach nur als Aufhänger für möglichst viele Actionszenen. Somit dürfte der Film auch viele Kritiker des Regisseurs zufrieden stimmen.
Doch was ein Fortschritt ist, kann gleichzeitig als Rückschritt bezeichnet werden. Denn bisher wusste der Genrefan, dass auf Michael Bay verlass ist und es von vorne bis hinten krachen muss. Jedoch kommt die Action diesmal zu kurz, vor allem während der ersten Filmhälfte. Dies hat zur Folge, dass ich diese beim wiederholten Anschauen des Stücks als zu lange Einführung empfunden habe.
Immerhin gibt es ungefähr in der Filmhälfte eine sehr ausgiebige Actionszene, welche die beste des Films bleibt. Endlich gibt es enorm hohen Materialschaden zu bewundern, die Szene macht richtig Laune. Dennoch gibt es für den Fan (zu) wenig typische Bay-Action.
Verfolgungen mit allen möglichen Fortbewegungsmitteln machen den Hauptteil der Action aus: Zu Fuss, mit dem Auto, mit den Jetbikes (so etwas wie fliegende Motorräder). Besonders gefallen hat mir die Sequenz auf der Autobahn, die sehr stark an «Bad Boys II» erinnert. Aber egal, Hauptsache es kracht. Geschossen wird nur wenig, Nahkampf gibt es schon etwas mehr.
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Auch ohne Action lässt sich aber schon früh der Stil des Regisseurs erkennen. Der gesamte Film ist einmal mehr ein optischer Augenschmaus. Die Farben sind sehr intensiv und bunt, aber trotzdem nicht kitschig. Die Schauplätze sind sehr aufwendig und monumental gemacht, woran sich unter anderem das beachtliche Blockbuster-Budget zeigt.
Ach ja, Humor gibt es auch ein wenig. Die Komik entsteht meistens wegen dem zurückgebliebenen Entwicklungsstand der beiden Hauptpersonen.
Schlussendlich kann «Die Insel» als durchweg gelungen bezeichnet werden, auch wenn ich bei der Actionmenge Abstriche machen muss. Dafür ist die Story hervorragend. Der Film reiht sich bei denjenigen Science-Fiction-Filmen ein, die ich ausnahmsweise gut finde. Bleibt nur noch die Frage zu klären, weshalb dieser Blockbuster weitgehend unbekannt ist...? Zumindest einmal sollten ihn alle Filmliebhaber gesehen haben; er ist es wert.
 | Originaltitel: The Island | |
| Regie: Michael Bay | August 2009 |