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8 / 10  

Iron Man 2

Iron Man lässt etwas nach, dominiert aber nach wie vor das Helden-Universum.

Dank Tony Stark (Robert Downey Jr.) herrscht Ruhe und Ordnung auf Erden. Als Senator Stern (Garry Shandling) ihn zur Auslieferung seiner Rüstung an die amerikanische Regierung bewegen will, verteidigt sich Stark heftig und meint, er allein sei Iron Man und schaffe es im Alleingang, für den Weltfrieden zu sorgen, da schliesslich niemand anderes über eine ähnlich weit entwickelte Technologie verfüge. Dies ändert sich jedoch rasch, als das Technologie-Genie Ivan Vanko alias «Whiplash» (Mickey Rourke) sich am Formel-1-Grand-Prix in Monaco unerwartet Iron Man gegenüber stellt. Nach verlorener Erstkonfrontation erhält Vanko willkommene Unterstützung von Starks Konkurrenz, dem Waffenfabrikant Justin Hammer (Sam Rockwell). Diese Koalition stellt plötzlich eine ernsthafte Bedrohung für Iron Man dar. Hinzu kommt, dass der für Starks Herz entwickelte Minireaktor die unschöne Nebenwirkung einer Paladium-Vergiftung hervorruft, die ihn körperlich schwächt und schlimmstenfalls sogar zum Tod führt.

Szenenbild aus Iron Man 2

Mit einer Geschichte für die Fortsetzung tut sich «Iron Man 2» schwer. Ein neuer Bösewicht muss her, ganz klar, und dass Tony Starks selber entwickelter Herzreaktor Probleme macht und er zudem von der Regierung bedrängt wird, macht Sinn. Nun wäre genug Spannungspotenzial vorhanden, denn diesmal droht der selbstsichere Held plötzlich seinen Halt zu verlieren. Dadurch, dass er ohne fremde Hilfe vielleicht tatsächlich versagen würde, empfinde ich diese Verletzbarkeit als glaubwürdiger dargestellt als in anderen Heldenfilmen, in welchen sie nur aufgesetzt wirkt. Allerdings wird nochmals eine zusätzliche Richtung eingeschlagen, als Nick Fury und die Black Widow auftauchen, was letztendlich den Film überlädt. Die Stossrichtung entzieht sich mir immer mehr. Insgesamt verschuldet es «Iron Man 2» vor allem der Geschichte und der zu grossen Anzahl zweitrangiger Charaktere, dass er sich wiederholt auf das Niveau eines stinknormalen Heldenfilms begibt.

Unübersehbar bereitet Regisseur Jon Favreau seinen Superhelden auf
«The Avengers» vor, einer Art Klassenzusammenkunft mehrerer Helden. Dies halte ich für verwerflich, denn einerseits kann derjenige mit Fury & Co nichts anfangen, der noch nie etwas von «The Avengers» gehört hat, andererseits interessieren mich die anderen Superhelden nicht, weil sie Iron Man ohnehin nicht das Wasser reichen können. Aber wer genau aufpasst, entdeckt bereits erste Hinweise auf «die anderen Superhelden». In einer Szene missbraucht Stark den Schild von Captain America für ein Experiment und nach dem Abspann rückt der Hammer von Thor ins Bild.

Szenenbild aus Iron Man 2

Indes gibt es an der Machart nichts zu rütteln. Topmodern und farblich schick kommt das Gewand des Films daher, die Effekte sitzen. Die Optik veredelt somit das Filmerlebnis. Die Musik bleibt nur wenig hinter derjenigen des ersten Teils zurück und bringt erneut die Coolness der Titelfigur zum Ausdruck. Lediglich einen Fehltritt leistet sich «Iron Man 2» diesbezüglich: Als gläubiger Mensch verabscheue ich AC/DC prinzipiell und auch der Sound (genau genommen die Stimme des Frontmanns) gefällt mir nicht. Schade, dass es der Film aus Marketingzwecken (entsprechende Lieder gibt’s nur zu Beginn und während des Abspanns) als nötig erachtete, sich auf die Band einzulassen.

Insbesondere dann, wenn der Humor mal ausbleibt, wird deutlich, dass
«Iron Man 2» bereits etwas konventioneller, ernsthafter, vielleicht auch verkrampfter geworden ist als Teil eins. Doch sobald der grandiose Robert Downey Jr. auftaucht, fängt sich der Film dank dessen unwiderstehlichem Humor wieder und gute Laune nistet sich ein. Wirklich langweilen tue ich mich jedenfalls nie. Auch die übrigen Darsteller überzeugen vollauf, wobei mich die Umbesetzung von Rhodey irritiert. Terrence Howard wurde durch Don Cheadle ersetzt.

Szenenbild aus Iron Man 2

Bei vielen Fortsetzungen ist es üblich, dass eine Steigerung gegenüber dem Vorgänger durch massenhafte, aber seelenlose Action erzielt werden soll. Dem entzieht sich das vorliegende Werk und hält die Steigerung in vernünftigem Rahmen. Nach der Einführung wird Tony Stark nichts ahnend auf der Rennbahn in Monaco angegriffen. Währenddem ich das «Gewand» des angreifenden Ivan Vanko weniger gelungen finde, gefällt mir die transportierbare Eisenrüstung von Stark umso mehr, die sogleich in Form eines Koffers angeliefert wird. Eins ist klar: So einen Koffer will ich auch! Danach dauert es ein Weilchen bis es zu einer weiteren Auseinandersetzung zweier Maschinen kommt. Diese findet in Tonys Villa statt und bleibt mir die rätselhafteste und zweifelhafteste Szene des ganzen Films. Musste das sein? Wie auch immer, jedenfalls hält das ausgiebige Finale einiges an Action bereit: Luftkampf, Zweikampf am Boden mit Fäusten und Kugeln, Zerstörung, Explosionen. Ein würdiger Abschluss für einen Streifen dieser Art.

Fazit: Inhaltlich verzettelt sich «Iron Man 2» zeitweise, kommt weniger leichtfüssig als Teil eins daher und droht zu einem handelsüblichen Superheldenfilm zu verkommen, wogegen sich die Aufmache einmal mehr als Genuss erweist. Der lässige Robert Downey Jr. sowie der Humor heben den Film letztlich von der Masse ab und natürlich kracht es nebenbei auch mal, vor allem gegen Schluss. Wenn Iron Man seinen Genrekollegen weiterhin derart die Show stiehlt, darf der dritte Teil bedenkenlos kommen...

 
Originaltitel: Iron Man 2
Regie: Jon Favreau November 2010
 

Teile:
Iron Man
Iron Man 2