Grösstenteils gelungener Actionthriller von den Franzosen.
Schockiert nimmt die Finanzwelt die Nachricht über den Tod des milliardenschweren Medienmoguls Nerio Winch (Miki Manojlovic) entgegen. Dessen Firma mit Sitz in Hongkong plant kurz darauf der zwielichtige Russe Mikhail Korsky (Karel Roden) zu übernehmen, was Winchs rechte Hand Ann Ferguson (Kristin Scott Thomas) zusammen mit den übrigen Vorstandsmitgliedern zu verhindern versucht. Zur Überraschung aller taucht plötzlich der bisher unbekannte Sohn Largo Winch (Tomer Sisley) als Erbe in Erscheinung, den der Milliardär einst aus einem jugoslawischen Waisenhaus holen, adoptieren und von einer befreundeten Familie grossziehen liess. Der junge, unerfahrene, aber intelligente Abenteurer und Herumtreiber Largo stürzt sich in die Finanzwelt, wo er nicht überall mit Applaus begrüsst wird.
Copyright: Frenetic Films
Die Story hebt sich wohltuend vom Einheitsbrei ab, sorgt damit für eine solide Grundlage und beschert «Largo Winch» sogar ein paar Spannungsbögen. Erzählt wird sie in eleganten Bildern und mithilfe von zahlreichen und teilweise langen Rückblenden. Diese verpassen den Charakteren mehr Profil, aber mit der Zeit habe ich dann doch genug von diesem Stilmittel. Es sind letztlich zu viele. Gegen Ende hin nimmt die Anzahl Rückblenden ab, dafür kommen mehrere Wendungen zustande. Jedoch übertreibt es «Largo Winch» auch in dieser Beziehung. All dem zum Trotz können die Franzosen erneut beweisen, dass sie sich aufs Inszenieren unterhaltsamer Filme verstehen und diesmal sogar mit mehr geschichtlichem Boden als auch schon. Als Handlungsort dient übrigens zu einem grossen Teil Hongkong, eine Stadt, die eine moderne und elegante Kulisse bildet, was dem Inszenierungsstil entspricht und mir sehr gefällt.
Der sympathische Hauptdarsteller Tomer Sisley war mir bisher unbekannt, meistert seine Aufgabe aber gut, ebenso die restlichen Darsteller. Die Musik taugt ebenfalls, aber Witze haben in diesem beinahe biografischen Thriller keinen Platz gefunden.
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Zu Beginn gibt es zwei Actionsequenzen zu sehen, gegen Schluss folgen drei bis vier weitere, stets ansprechend ins Bild gerückt. Im Mittelteil herrscht etwas Flaute, weil sich «Largo Winch» dann verstärkt auf seine verzwickte Geschichte konzentriert, was auch ohne Action grösstenteils funktioniert. Die Action steht nicht im Vordergrund, weshalb die entsprechenden Szenen eher kurz geraten. Dafür ist die Abwechslung gegeben, denn die Palette reicht von Faustkämpfen, über einen Gefängnisausbruch bis hin zu Verfolgungsjagden zu Fuss sowie mit verschiedenen fahrbaren Untersätzen.
Fazit: «Largo Winch» packt den einen und anderen Twist zu viel drauf und übertreibt es auch mit der Anzahl Rückblenden. Dennoch gelingt es den Machern, diese Schwächen durch ihre überdurchschnittliche Inszenierung zu mildern und für konstante Unterhaltung zu sorgen. Dass die Action angesichts der flott erzählten Story in den Hintergrund rückt, bedaure ich zwar, aber es passt ins Gesamtbild. Die Franzosen müssen sich weiterhin nicht vor Hollywood verstecken.
 | Originaltitel: Largo Winch | |
| Regie: Jérôme Salle | Dezember 2010 |
Teile:
Largo Winch – Tödliches Erbe
Largo Winch II – Die Burma Verschwörung