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3 / 10  

Mann unter Feuer

Zu lange und schlecht umgesetzte Rachegeschichte.

Der ehemalige CIA-Agent Creasy (Denzel Washington) hat noch mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, vor allem in Form von Alpträumen und Alkohol, als ihn sein Freund Rayburn (Christopher Walken) nach Mexiko holt und ihm dort einen Job als Bodyguard der jungen Pita (Dakota Fanning) verschafft. Pitas wohlhabende Eltern Samuel (Marc Anthony) und Lisa (Radha Mitchell) tun gut daran, denn Kidnapping ist in Mexiko ein lukratives und tägliches Geschäft.

Szenenbild aus Mann unter Feuer

Wie erwartet stellt uns «Man On Fire» zuerst die suizidgefährdete Hauptfigur sowie die Familie vor und zeigt die sich entwickelnde Beziehung zwischen Creasy und Pita. Dafür lässt sich Regisseur Tony Scott reichlich Zeit. Ganze Dreiviertelstunden vergehen, bis es zur Entführung des Mädchens kommt und währenddessen nichts Nennenswertes geschieht. Somit eine tausendmal zu lange Einführung, weil ohnehin jedem Zuschauer schon längst klar ist, was früher oder später passieren wird.

Im Anschluss steigt das Erzähltempo etwas an, doch Spannung kommt nie auf. Die wenigen dramatischen Momente überzeugen mich nur gelegentlich. Im Gegenzug gefällt mir die Musik ganz gut.
Zudem ist für mich Hauptdarsteller Denzel Washington das grösste Highlight (weil fast das einzige) des Films. Zuerst frage ich mich, weshalb er in einem brutalen Streifen wie diesem mitmacht, doch sobald Creasy zur Bibel greifen darf, ist es mir klar. Nur leider passt mir diese Angewohnheit seines Filmcharakters nicht ins Gesamtbild, auch wenn ich normalerweise nichts dagegen habe, im Gegenteil.

Szenenbild aus Mann unter Feuer

Inszenatorisch beginnt «Man On Fire» ultrahektisch: Wackelnde Handkamera, Zoom, Kameraschwenks, Blendeffekte und ähnliches bis zum Abwinken. Wilderes habe ich kaum je gesehen. Danach geht es zum Glück ruhiger zu und her. Als die Action einsetzt, melden sich die Effekte und das Gewackel leider wieder zurück. Die Übersichtlichkeit geht vollends flöten, weshalb hauptsächlich die Inszenierung den Spass an der Action verdirbt.
Diese besteht aus Creasys Rachefeldzug gegen alle, die irgendwie an der Entführung beteiligt sind. Um weitere Beteiligte aufzufinden, bringt er die bösen Buben nicht sofort um, sondern foltert sie vorher. Dabei geht er sehr kreativ und brutal vor. Schiessereien, Schlägereien, Verfolgungsjagden und dergleichen suche ich aber vergeblich. Nur sehr selten greift Creasy zur Kanone und sprengt eine Disco sowie zwei oder drei Autos in die Luft. Demnach für mich ein Totalausfall. Wahrscheinlich muss man Folterszenen mögen, um dem Film etwas mehr abzugewinnen. Insgesamt lässt sich auch sagen, dass die Inszenierung alles verdirbt, was mit Action zu tun hat.

Zusammenfassend eine langweilige Angelegenheit. Gute Schauspieler und Musik verheizt «Man On Fire» mit seiner übertriebenen Inszenierung gleich selbst wieder und actionmässig läuft gar nichts. Stattdessen stehen brutale Folterspiele auf dem Programm. Da bleibe ich viel lieber bei «96 Hours», wenn ich eine Rachestory sehen will.

 
Originaltitel: Man On Fire
Regie: Tony Scott Juli 2010