Loading

Über diese Seite

8 / 10  

Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Tom Cruise und «Mission: Impossible» leben noch.

Das IMF holt Ethan Hunt (Tom Cruise) aus dem Knast und schickt ihn auf eine Mission in den Kreml. Als in diesem eine Bombe detoniert und der Auftrag gehörig schief läuft, wird die Schuld Hunt und seinem Team in die Schuhe geschoben. Fortan leugnet die amerikanische Regierung die Existenz des IMF, sodass dieses auf eigene Faust weitermachen muss. Zusammen mit dem Computer-Freak Benji Dunn (Simon Pegg), Agentin Carter (Paula Patton) und dem Analysten William Brandt (Jeremy Renner) bleibt Ethan Hunt auf der Spur eines Irren (Michael Nyqvist), der unbedingt eine Atom-Rakete starten will, um einen neuen Krieg zwischen den USA und Russland heraufzubeschwören.

Szenenbild aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Es dauert jeweils sehr lange, bis sich wieder jemand an «Mission: Impossible» heranwagt. Warum nur? Wenn das Resultat so gut ausfällt wie im Falle von «Mission: Impossible – Phantom Protokoll» ist das sehr schade.

Gerade von der Story hätte wohl niemand derart Positives zu hoffen gewagt. Schon für sich genommen würde sie genügen, gibt sich damit aber nicht zufrieden, sondern spinnt geschickt Handlungsfäden aus den Vorgängern weiter und flechtet sie mit hinein.

Ich persönlich bedaure, dass Ving Rhames nicht mehr dabei ist (ein Cameo am Ende muss genügen) und stattdessen Simon Pegg und Jeremy Renner ins Boot geholt wurden. Denn beide sind mir eher unsympathisch bzw. haben mir ihre bisherigen Filme nicht gefallen. Was das Besondere an Renner sein soll, hat sich mir bisher nicht erschlossen, ebenso wenig werde ich jemals den Humor der Pegg-Filme verstehen. Umso erstaunter bin ich, dass mich die beiden im vorliegenden Streifen nicht den Spass an der Sache verderben, sich stattdessen gut einfügen. Mehr noch, die Sprüche von Pegg sind diesmal sogar witzig. Ohnehin enthält «Mission: Impossible – Phantom Protokoll» überraschend viel Humor, kann dafür aber zu Beginn und Ende keine echte Spannung vorweisen. Leicht gestört hat mich auch das auffällige Product Placement von Apple-Geräten. Bisher hatte die Serie so was nicht nötig.

Nochmals kurz zurück zu den Darstellern: Im Vorfeld wurde bereits gemunkelt, dass Jeremy Renner die Serie eventuell übernehmen könnte. Dies halte ich für das grösste Unglück, welches der Serie widerfahren könnte, schon nur weil Tom Cruise mit «Mission: Impossible – Phantom Protokoll» erneut beweist, dass die Reihe bei ihm in guten Händen ist.

Szenenbild aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll

In der ersten grösseren Actionszene, auf die man nicht zu warten braucht, sehen wir eine vom IMF-Team losgetretene Gefängnisrevolte, welche die Flucht von Ethan Hunt ermöglicht. Dabei kämpft er sich durch die Reihen von Mithäftlingen und Gefängniswärtern, aber so richtig gute Action zeigt diese Szene noch nicht. Danach folgt das Eindringen in den Kreml mit High-Tech-Spielzeug, was recht amüsant und unterhaltsam gerät. Nach einem weiteren Anschlag während einer nächtlichen Autofahrt werden die Ereignisse nach Dubai verlegt. Dort spielt sich der längste und zugleich klar überzeugendste Teil der Geschichte ab, die nun das grösste Spannungsmoment erreicht.
Das Highlight des ganzen Films ist und bleibt für mich unbestritten die Kletterpartie am Burj Khalifa, dem zurzeit höchsten Gebäude der Welt. Wie Cruise am gläsernen Wolkenkratzer hochklettert (die Szene ist nicht im Studio entstanden!), wurde mit den Kameras atemberaubend eingefangen und sorgt für puren Nervenkitzel. Weil ich gerade vor ein paar Monaten selbst in Dubai war und an dem Turm hoch geschaut habe, umso mehr. Verbunden mit dem anschliessenden der Wand entlang Rennen und Herumschwingen mit Seil zählen für mich diese Bilder zu den spektakulärsten Actionszenen, die ich je gesehen habe!
Danach zeugt eine Verfolgsjagd zu Fuss mitten in einem Sandsturm ebenfalls von Innovation, aber das Finale in Mumbai enthält dann doch ein paar genretypische Elemente. Insgesamt verteilt sich die Action ziemlich gut auf die gesamte Laufzeit und das Erzähltempo wird flott gehalten, aber dafür sind die Actionszenen häufig schon wieder vorbei, bevor sie richtig angefangen haben und enthalten hauptsächlich Nahkämpfe. Dies ist auch der Hauptgrund weshalb ich als Actionfan trotz vieler Stunts nicht ganz zufrieden bin. Es fehlt einfach an genug «Handfesterem», denn ich zähle keine einzige richtige Schiesserei und keine einzige Explosion (der computeranimierte Kreml-Einsturz mal weggelassen). So was gab’s für Brad Bird bisher wohl nicht bei seinen Animationsfilmen...

Szenenbild aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll

Zudem will sich bei mir trotz allem Positiven einfach kein wirkliches
«Mission: Impossible»-Feeling einstellen. Ich glaube mittlerweile zu wissen, dass dies daran liegt, dass die Macher eine der grössten Stärken der Serie ausser Acht gelassen haben… den Soundtrack. Die unverkennbare Titelmelodie ist lediglich während dem etwas lahmen Vorspann zu hören sowie gegen Schluss ganz kurz. Sonst kommt die Musik enttäuschend 0815-mässig und langweilig daher. Dabei ist es doch gerade der coole Soundtrack, der den Bildern den M:I-Stempel aufdrückt und dem Zuschauer versichert, dass er tatsächlich einen astreinen «Mission: Impossible»-Streifen vor sich hat. Doch genau das ist das Phantom Protokoll leider nicht geworden.

Fazit: «Mission: Impossible – Phantom Protokoll» ist ein sehr guter Actionthriller, der jedoch bei der Musik patzt sowie zu wenig «handfeste» Action bietet. Und dennoch hat er ein Lob verdient, sei es wegen der durchdachten Story, sei es wegen der Hochhaus-Sequenz oder einfach nur deshalb, weil es endlich wieder eine «Mission: Impossible»-Fortsetzung geben darf.

 
Originaltitel: Mission: Impossible – Ghost Protocol
Regie: Brad Bird Dezember 2011
 

Teile:
Mission: Impossible
Mission: Impossible 2
Mission: Impossible 3
Mission: Impossible – Phantom Protokoll