Vierter, harter Rambo.
In Thailand hält sich der kriegsmüde John Rambo (Sylvester Stallone) als Schlangenfänger und Bootskapitän über Wasser. Unter der Leitung von
Dr. Michael Burnett (Paul Schulze) und Sarah Miller (Julie Benz) treffen christliche Missionare in Asien ein. Sie wollen in der Bürgerkriegszone von Burma humanitäre Hilfe leisten. Dazu brauchen sie die Unterstützung von John Rambo, der sie mit seinem Boot flussaufwärts bringen soll. Zunächst lehnt er ab, lässt sich aber schlussendlich überreden. Als die Missionare in Gefangenschaft geraten, eilt eine Gruppe von Söldnern zur Befreiung herbei, die wiederum von Rambo chauffiert werden.
Im Verleih von Ascot Elite
Wie zu erwarten kommt in «John Rambo» die Story recht simpel daher. Mittels der Grausamkeiten der burmesischen Armee erkauft sich der Held die Fahrkarte zum selber Metzeln. Allerdings nicht sofort. Lange Zeit werden nur die Gräueltaten der mitleidlosen Soldaten gezeigt. Der Titelheld hat das Nachsehen und rückt bis auf weiteres in den Hintergrund. Zudem darf eine Gruppe von Söldnern zuerst ihr Glück versuchen und sich auf die Suche nach den Vermissten machen. Diese Selbstlosigkeit von Stallone mag an und für sich lobenswert sein, aber mich haben die Söldner ziemlich gestört, insbesondere der nörgelnde Anführer. Hinzu kommt, dass, wenn Rambo drauf steht, ich auch Rambo sehen will. Erst nach Filmhälfte greift der Vietnam-Veteran vermehrt ins Geschehen ein. Insgesamt wird mir der Held einfach viel zu lange auf der Ersatzbank sitzen gelassen.
Im Verleih von Ascot Elite
Beim vierten Rambo-Abenteuer spielt Sly nicht nur seine grimmig dreinblickende Filmfigur, er übernimmt auch die Regie. Das Ergebnis kann sich handwerklich sehen lassen: Einzig bei einer Riesenexplosion wird mit dem Computer nachgeholfen, ansonsten überzeugt die Optik mit vielen schönen Aufnahmen, die dem Dschungeltreiben einen moderneren Stil verpassen als den Vorgängern. Die Musik wird ebenso gelungen in das neue Jahrtausend konvertiert und einige Oneliner bleiben dem Helden erhalten. Und letztlich verdanke ich es tatsächlich der Machart, dass mich «John Rambo» trotz minimaler Spannung kurzweilig unterhält.
Als Besonderheit des Films stellt sich der enorm hohe Brutalitätsgrad heraus. Körper werden mit dem Messer zweigeteilt, bei Treffern von Geschützen spritzt übermässig viel Blut herum, abgetrennte Beine und Arme fliegen durch die Luft. Offenbar will Stallone damit die Entschiedenheit seiner Figur und auch seines eigenen Schaffens demonstrieren, geht dabei aber mehrere Male hart an die Schmerzgrenze von dem, was ich einem Film sehen kann und will, oder gar darüber. Meiner Meinung nach wäre weniger mehr gewesen. Immerhin verleiht er damit den dramatischen Szenen mehr Wirkung, wovon Sly zu Beginn einige einstreut. Der vierte Rambo soll eben nicht mehr nur ein simpler Actionreisser sein.
Im Verleih von Ascot Elite
A propos: Nach der einführenden Fahrt flussaufwärts und den gezeigten Brutalitäten der asiatischen Unmenschen folgt die erste grössere Actionszene. Der Überfall auf ein Dorf gestaltet sich äusserst blutig. Alle Häuser werden niedergebrannt oder gesprengt, die Bewohner auf übelste Weise misshandelt und hingerichtet. Als nach einer Pause endlich die Retter eintreffen, welchen sich Rambo sozusagen gezwungenermassen anschliesst, kommt es dann wieder zu Kampfhandlungen. Allerdings sind diese nur von kurzer Dauer, dafür zahlreich. Ich hätte mir gern weniger Szenen gewünscht, dafür viel ausgiebigere. Vorzugsweise wird leise getötet, sprich mit Messer und Pfeilbogen gemeuchelt. Als das Finale losbricht, darf auch wieder geschossen und explodiert werden. Und wie! Rambo schnappt sich ein auf ein Fahrzeug montiertes, schweres Geschütz und ballert minutenlang in die Reihen der Gegner. Natürlich wiederum äusserst blutig inszeniert. Gesamthaft betrachtet hätte ich mir eine bessere Verteilung der Action gewünscht, zudem noch mehr ausgiebigere Szenen anstatt viel kurze, und dass Rambo schon früher mitmischen darf.
Fazit: Mit «John Rambo» hat Stallone eine eindrucksvolle und konstant unterhaltende Fortsetzung geschaffen und beinahe tadellos inszeniert. Trotz allem kann ich mir nicht helfen, dass es hauptsächlich darum geht, möglichst viel Brutalität zu zeigen und damit die Grenzen des guten Geschmacks zu malträtieren. Zudem wünschte ich mir, dass die Hauptfigur schon viel früher in Aktion treten würde. In meiner DVD-Sammlung gelandet ist der Streifen trotzdem.
 | Originaltitel: Rambo | |
| Regie: Sylvester Stallone | August 2010 |
Teile:
Rambo
Rambo II - Der Auftrag
Rambo III
John Rambo