Eine Handvoll Verbesserungen, aber mehrere bleibende Schwächen.
Offenbar führt Professor Moriarty (Jared Harris) ein grosses und gefährliches Vorhaben im Schilde. Dies ruft den Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) auf den Plan. Nur hat er zuerst Mühe, seinen Assistenten Dr. Watson (Jude Law) dazu zu bringen, ihn auf diesem Abenteuer zu begleiten, weil sich dieser soeben mit Mary Morstan (Kelly Reilly) verheiraten und in die Flitterwochen begeben will. Zusammen mit seinem Bruder Mycroft (Stephen Fry) und der Zigeunerin Sim (Noomi Rapace) nimmt Holmes schon mal Witterung auf und stürzt sich und sein Umfeld mitten in die Konfrontation mit dem klugen Bösewicht.
Genau wie sein Vorgänger ist auch «Sherlock Holmes 2» für mich ein zweischneidiges Schwert. Manchmal höchst amüsant und unterhaltsam, dann wieder inhaltsleer und wenig spannend.
Die grösste Schuld daran trägt wohl das Drehbuch. Vor allem im Mittelteil kommt die Geschichte allzu lange nicht voran und insgesamt dürfte es ruhig komplizierter sein. Denn Rätsel zum Grübeln hat «Sherly» leider etwas wenig. Allerdings muss ich auch gleich die grösste Verbesserung gegenüber dem ersten Teil ansprechen: Ungefähr so stelle ich mir einen Detektiv-Fall vor. Der grosse Bösewicht mit seinen gefährlichen Absichten und Holmes, der die Pläne aufzudecken versucht. Gott sei dank nix mehr mit bedrohlicher Zauberei, Hokuspokus und dergleichen. Auch wird der Detektiv weniger chaotisch dargestellt als im Vorgänger, obwohl er immer noch sehr eigenartig und eigenwillig auftritt und sich häufig verkleidet.
Kein Inhalt kommt einem fehlenden Boden gleich. Und das ist im Falle von «Sherlock Holmes 2» echt schade, denn optisch gibt es zünftig was vorgesetzt. Die Kulissen und die Ausstattung bieten klasse Schauwerte und mehrere Zeitlupen, vor allem während den Actionszenen, bleiben in Erinnerung. Dazu gesellen sich die beiden Hauptakteure, die meiner Meinung nach noch überzeugender auftreten als im Erstling, und so auch den Humor besser rüberbringen, der einen über manche Storylücke hinwegtröstet. Nicht zu vergessen wiederum die Filmmusik, die mancher Szene einen stylishen Anstrich verpasst.
Die Action fehlt nicht und gefällt mir betreffend Inszenierung etwas besser als im Vorgänger. Doch leider hätte es gerade hier mehr sein dürfen und die Szenen sind ungleichmässig verteilt. Zu Beginn wird manch einer verprügelt, verfolgt, ein paar PC-Explosionen hinzugestreut und ein Zug wird regelrecht zusammengeschossen. Gegen Ende folgen weitere Schusswechsel etwas Explosion, Schlägereien und ein umstürzender Fabrikturm. Optisch ansprechend und oft mit Zeitlupen versehen, wobei mir insbesondere die Szene im Wald aufgefallen ist, denn wenn die Holzsplitter der Bäume ringsumher kreuz und quer durch die Luft fliegen, sind das schon toll aus. Die Action finde ich jeweils überaus unterhaltsam und gerade deshalb wiegt deren Absenz während des Mittelteils recht stark. Vielleicht hatte Teil eins sogar mehr davon. Schade.
Fazit: Die Schauspieler und die Musik, vor allem aber die hervorragende Machart halten einiges für Auge und Ohr bereit und sind das Kinoticket wert. Ebenso treffen die Gags mehrmals. Nur eben schwebt das Ganze etwas in der Luft, weil oft die Geschichte kaum auszumachen ist, und die unterhaltsame Action dürfte gern häufiger loslegen.