«Hard Boiled» als Actionkracher ohnegleichen weckte mein Interesse am asiatischen Film. Leider wurde diesem bisher kein anderer auch nur annähernd gerecht, im Gegenteil. Abgesehen von wenigen Ausnahmen setzte sich bei mir immer mehr die Erkenntnis «die Asiaten können’s einfach nicht» durch.
Glücklicherweise bildet «Shiri» eine dieser Ausnahmen. Die Geschichte ist nicht besonders aufregend und bleibt grösstenteils im Hintergrund. Immerhin handelt sie vom Konflikt zwischen Nord- und Südkorea und bewegt sich somit in Gewässern, welche die Koreaner selber am besten kennen. Da es sich um einen südkoreanischen Streifen handelt, ist schon vor Filmbeginn klar, dass die Nordkoreaner die Bösen und die Südkoreaner die Lieben sein müssen.
Dementsprechend geht es auch von der ersten Sekunde an los, als die Absolventen eines nordkoreanischen Ausbildungscamps zu kaltblütigen Killern ausgebildet werden, beispielsweise durch das Abstechen von an Mästen festgebundenen Südkoreanern. Schamlos und blutig, jedenfalls nichts für empfindsame Gemüter.
Doch gerade dieser Einstieg vermochte mich über die anfänglichen Schwächen der Story hinweg zu täuschen. Denn zu Beginn reiht der Film scheinbar wahllos Actionszenen aneinander, ohne dass der Zuschauer weiss, worum es überhaupt geht. Gerade als das Motto «Je mehr Action, desto besser» langsam zu nerven beginnt (das ist sogar bei mir möglich!), setzt doch noch der Aufbau einer Geschichte ein. Und so entwickelt sich endlich eine Art Raster, innerhalb dessen sich der Film mit seinen Actionszenen bewegen kann.
Heikel erscheint zunächst die Liebesgeschichte, die natürlich nicht fehlen darf. Wie bei den meisten Filmen, nimmt sie auch bei «Shiri» etwas das Tempo raus. Erfreulicherweise hat sie aber später innerhalb des Plots eine Bedeutung, die nicht so plump, konstruiert und unglaubwürdig ist wie bei vielen anderen Filmen. Daher sei die Liebesgeschichte hier ausnahmsweise akzeptiert.
In Sachen Action gibt sich «Shiri» alle Mühe, auch dem westlichen, an Hollywood gewöhnten Publikum zu gefallen. Unverkennbar lehnt sich der Stil an die Blockbuster des Herrn Bruckheimer an. So wird in aufwändiger Manier fast alles aufgefahren, was das Actionkino zu bieten hat: Raub eines neuartigen Sprengstoffs; Bomben mit Zeitzünder, die nur Hundertstelsekunden vor der Detonation entschärft werden können; Schiessereien mit viel Sachschaden (die am meisten zu gefallen wissen); Attentate eines Scharfschützen resp. einer Scharfschützin; Verfolgungsjagd zu Fuss; polizeiinterne Maulwurfsjagd; usw.
Bei derart vielen Genretypischen Elementen besteht die Gefahr, dass der Film vor Klischees nur so strotzt. Da sich aber der Actionfan schon einiges gewohnt ist und die Actionszenen in netter Häufigkeit auftreten, ist diese Gefahr nur selten real.
Abschliessend bleibt noch zu sagen, dass die Bildqualität der DVD von e-m-s zu wünschen übrig lässt, auch wenn der Streifen schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Bilder wirken leider häufig nicht ganz scharf, vor allem schneeweisse Flächen auf dunklem Hintergrund sehen eher schlecht aus.
Actionfans dürfen mit «Shiri» einen Ausflug ins asiatische Gewerbe wagen, allen anderen ist eher abzuraten.
 | Originaltitel: Swiri | |
| Regie: Kang Je-gyu | Mai 2009 |