Loading

Über diese Seite

9 / 10  

Departed – Unter Feinden

Wenn ich jemals einen Oscar vergeben könnte, ginge er an Leonardo DiCaprio für seine Weltklasseleistung in «The Departed».

In Boston kommen Polizeichef Queenan (Martin Sheen) und Sergeant Digman (Mark Wahlberg) auf die Idee, dass sie Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) aus der Polizeischule rausschmeissen und als Undercover-Cop dahin schicken könnten, wo er aufgewachsen ist. Ins kriminelle Milieu. Und tatsächlich gewinnt der Maulwurf rasch das Vertrauen des Mafiabosses Frank Costello (Jack Nicholson). Dummerweise hat dieser seinerseits Colin Sullivan (Matt Damon) bei der Polizei einschleusen können. Als beide Seiten erfahren, dass sie jeweils einen Verräter in ihren Reihen haben, beginnt das grosse Rätselraten darum, wer es denn sein könnte. Wer wohl als erster auffliegt?

Szenenbild aus Departed – Unter Feinden

Zwar hört sich die Geschichte simpel und wenig aufregend an und ebenso nüchtern startet sie. Die Situation verschärft sich jedoch zusehends und
«The Departed» entwickelt daraus ein verzwicktes Katz-und-Maus-Spiel. Und dieses packt mich voll und ganz.
Woran das genau liegt, kann ich nur schwierig beschreiben. Ein Grund könnte sein, dass der Film stets möglichst bodenständig bleibt und auch eine natürlich-lockere Atmosphäre ausstrahlt. Jeder ist ein cooler Typ, oder gibt es zumindest vor, aber als Zuschauer ahnt man gleichzeitig die undurchsichtige Gefahr, in welcher sich die Hauptfiguren bewegen. Auf diesem Grat zwischen Coolness und ständiger Bedrohung wandelt die Regieführung meisterhaft und erzeugt dadurch ein konstantes Spannungsfeld, welches unter anderem von der Musik gestützt wird, die die beiden Aspekte vorbildlich in sich vereint.
Ein weiterer Grund ist sicher die glänzend aufspielende Darstellerriege, allen voran Leonardo DiCaprio. Er meistert seine Rolle mit derartigem Feingefühl, dass man ihm sie zu jeder Sekunde abkauft. Ein knallharter Hund, der sich in der Szene auskennt, aber gleichzeitig etwas verunsichert agiert, seiner eigentlichen Identität wegen. Für die Darstellung dieser Zwiespältigkeit hätte er meiner Meinung nach ganz klar einen Oscar verdient, denn selten habe ich derartiges Schauspiel gesehen. Übrigens: Seither ist er mein Lieblingsdarsteller, zumal er fortan fast nur noch «harte Kerle» gemimt hat, was er einfach phantastisch gut drauf hat und mir tausendmal besser gefällt als das Sonnyboy-Image.

Szenenbild aus Departed – Unter Feinden

Mit Action schmückt sich «The Departed» nur geringfügig, obwohl man nach dem Trailer etwas anderes erwarten könnte. Dies stört mich nicht, hätte es doch kaum ins Gesamtbild gepasst. Handgreiflichkeiten und Schusswechsel von kurzer Dauer sind angesagt, möglichst realistisch eben. Nur das Finale schliesst den Film leider etwas gar eigenartig und unpassend ab.

Zusammenfassend liegt die Faszination von «The Departed» in seiner Atmosphäre. Diese wird getragen von dem hervorragenden Schauspiel, der durchdachten Geschichte und der musikalischen Untermalung einer ansonsten zurückhaltenden Inszenierung. Ein spannender Thriller, welcher den vielen positiven Stimmen gerecht wird.

 
Originaltitel: The Departed
Regie: Martin Scorsese April 2011