Ein Werk, das zu Recht nur in Genrekreisen bekannt ist.
Am französischen Nationalfeiertag findet ein riskanter Gefangenentransport nach Strassburg statt. Den Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz versuchen die Anhänger des dingfest gemachten Menschenhändlers, ihr Oberhaupt zu befreien. Das Transportfahrzeug flieht in ein Lagerhaus im Industrieviertel, welches sofort von den Banditen umstellt und belagert wird. Pech nur, dass just an diesem Tag einige Kleinkriminelle ebendieses Lagerhaus für einen Einbruch auserwählt haben und dadurch unfreiwillig mitten ins Geschehen hineingezogen werden.
Die Story bietet unheimlich viel Potential für ein grandioses Schützenfest und der Trailer scheint ebenfalls ein solches zu versprechen. Meine dadurch geschürten Erwartungen wurden leider bitter enttäuscht. Dabei beherrschen die Franzosen doch sonst das Genrekino so gut...
Zuerst einmal dauert die überlange Einführung mehr als dreissig Minuten und bis das verzwickte Belagerungsszenario endlich steht, war ich schon fast eingenickt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Geschichte kaum. Somit fehlt es dem Streifen insgesamt massiv an Tempo. Die Personen bleiben oberflächlich und vor allem aus dem gefangenen Gangsterboss holt «Das tödliche Wespennest» wenig heraus. Ein weiteres Mal bestätigt sich für mich zudem, dass Frauen lieber nicht in Actionfilmen mitmischen sollten. Mit wenigen Ausnahmen wie z. B. der «Bourne»-Reihe werte ich weibliche Hauptrollen häufig als Misserfolg.
Bild Pathé Films
Eine Eigenheit des Films ist, dass er sehr wortkarg ausgefallen ist und man sich auch mit der musikalischen Untermalung zurückgehalten hat. Oft ist daher kein einziges Geräusch aus den Lautsprechern zu vernehmen. Dies kann einen unglaublichen Spannungseffekt erzeugen, jedoch auch das Gegenteil: Langeweile.
Die grösste Schwäche ist jedoch das, was eigentlich die Hauptsache sein sollte. Action! Davon gibt es sträflich wenig. Erst nach einer halben Stunde konnte ich erste Pluspunkte gutschreiben. In der Folge wird aber häufiger auf künstliche Spannungsmache gesetzt, als auf Action. Zwar gibt es hier und dort kurze Schusswechsel, die jedoch erschreckend kurz sind. Wenn es nun am laufenden Band rund ginge, wären die vielen Mängel nur halb so gravierend. Aber nichts zu wollen. Die Highlights sind rar und anstatt den Akteuren Magazine mit tausend Schuss zu verteilen, die sie gegeneinander abfeuern können, soll die drohende Munitionsknappheit noch mehr Spannung erzeugen. Schade. Wer Action sucht, ist somit am falschen Ort gelandet.
Als der Film sich dem Ende neigt, werden dann doch noch Nägel mit Köpfen gemacht. In einer längeren Sequenz werden Eindringlinge über den Haufen geschossen oder mit Feuer verbrannt, nachdem zuvor häufig ergebnislos in die ungewisse Dunkelheit geschossen wurde. Dabei fällt erneut die gelungene Optik auf. Regisseur Florent Emilio Siri versteht es, farblich schicke Bilder zu zeigen und die Action gekonnt zu inszenieren. Dies unterstrich er später mit seinem um Meilen besseren «Hostage».
Fazit: Viel zu wenig Action, keine Spannung, fehlendes Tempo. Wer unbedingt ein Belagerungsszenario sehen will, hat genügend und gute Alternativen, wie zum Beispiel «Das Ende».
 | Originaltitel: Nid de guêpes | |
| Regie: Florent Emilio Siri | November 2009 |