Seichte Unterhaltung mit vorhersehbarem Szenario.
Menschliches Versagen und unglückliche Zufälle führen dazu, dass ein unbemannter Zug mit Höchstgeschwindigkeit durch die Gegend rast. Der tonnenschwere Zug misst ungefähr eine halbe Meile und hat giftige, hochentzündliche Flüssigkeiten geladen. Die Eisenbahngesellschaft versucht mit allen Mitteln den Zug aufzuhalten, bevor er die nächste Stadt erreicht. Ganz in der Nähe sind ein Fahrer (Denzel Washington) und sein Zugführer (Chris Pine) unterwegs, die spontan beschliessen, ebenfalls zu versuchen den Zug zu stoppen.
© Twentieth Century Fox Film Corporation. All rights reserved.
Nach «Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3» spannen Regisseur Tony Scott und Hauptdarsteller Denzel Washington ein weiteres Mal zusammen und begeben sich dabei erneut auf Schienen. Jegliche Ähnlichkeit ist natürlich rein zufällig…
Währenddem mir Pelham recht gut gefiel, kann ich dies von «Unstoppable – Ausser Kontrolle» nicht behaupten. Die Handlung wird völlig unglaubwürdig konstruiert und ist derart vorhersehbar, dass es sogar mir zu dämlich wird. Spannung daher gleich null, und dass das Ganze tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruhen soll, kann ich mir nur schwer vorstellen. Passend dazu gibt es Logiklöcher am laufenden Band. Mein Lieblingsbeispiel: Der Zug soll zur Entgleisung und somit zur Explosion gebracht werden. Seltsam, dass alle Feuerwehrmänner und Polizisten selbstmordgefährdet zu sein scheinen, denn sie stehen alle nur fünf Meter neben der errichteten Gleissperre um deren Wirksamkeit zu beobachten.
Leider ist sich «Unstoppable – Ausser Kontrolle» zu schade dafür, diese Mängel mittels Selbstironie zu entschärfen oder mit anderweitigem Humor zu seinem Vorteil zu nutzen.
An der bunten Optik von Regisseur Tony Scott gibt es gewohnt wenig zu bemängeln, dasselbe gilt für die Darstellerleistungen. Die Musik erklingt im typischen Stil eines Blockbusters. So weit, so gut.
© Twentieth Century Fox Film Corporation. All rights reserved.
Als letzter wirklicher Hoffnungsschimmer bleibt die Aussicht auf Action und viel Sachschaden. Jedoch werde ich auch diesbezüglich enttäuscht. Der Zug rollt zwar schon bald an und besonders die monströsen Lokomotiven machen sich gut. Aber zu Action kommt es trotzdem noch nicht. Ein Zug, mit welchem sich viele Schulkinder auf einem Ausflug befinden, droht den Weg des Geisterzugs zu kreuzen, was nach schon dutzendfach gesehener und künstlicher Spannungsmache schreit. Diese Gelegenheit wird überraschenderweise ausgelassen, wodurch das Einbauen des betreffenden Ausflugszuges aber erst recht überflüssig wirkt. Zudem eröffnen sich die beiden Hauptpersonen gegenseitig immer mehr Einzelheiten aus ihrem Privatleben. Schliesslich soll man sie ja Charakterisieren und so. Allerdings übertreibt es «Unstoppable – Ausser Kontrolle» damit. Ebenso verhält es sich mit den Medien, die ausführlich und live über die Bedrohung berichten. Es scheint so, als seien alle aufgezählten Ärgernisse dazu da, diejenigen Zeiten zu überbrücken, für die den Machern keine actiontechnischen Ideen eingefallen sind. Denn nur wenige Male gerät etwas auf die Gleise, das der Zug aus dem Weg rammen darf und auf den Waggons herumgeturnt wird erst gegen Ende des Films. Insgesamt gibt es nicht mehr Sachschaden, als im ganzen Trailer zu sehen ist. Zwar steigt der Unterhaltungswert in der zweiten Filmhälfte an, was dem Streifen einige unterhaltsame Momente beschert und ihn noch aufwertet, aber ein biederer Beigeschmack bleibt allezeit.
Alles in allem erfüllt «Unstoppable – Ausser Kontrolle» meine Hoffnung auf Sachschaden und Action nicht annähernd. Stattdessen stopft er seine Laufzeit mit uninteressanten Nebensächlichkeiten voll. Am meisten ärgert mich aber, dass die Handlung so durchschaubar, spannungsarm und absolut unglaubwürdig konstruiert ist, wie ich es nur selten zu Gesicht bekomme. Daher hätte ich mir diesen Kinobesuch getrost sparen können.
 | Originaltitel: Unstoppable | |
| Regie: Tony Scott | November 2010 |