Loading

Über diese Seite

9 / 10  

Ip Man

Vielseitiges Martial-Arts-Epos.

Die chinesische Stadt Foshan ist bekannt für ihre Kampfkunstschulen und Ip Man (Donnie Yen) gilt als unantastbarer Kung-Fu-Meister. Zusammen mit seiner Frau (Lynn Hung Doi-Lam) und seinem kleinen Sohn kann er sich sogar etwas Luxus leisten. Doch im Laufe der 1930er-Jahre marschieren die Japaner in das Land ein und bringen seine Heimatstadt unter ihre Kontrolle. Fortan arbeitet er gezwungenermassen im Bergwerk und kann nur noch knapp für seine Familie sorgen. Vorerst ahnt er nicht, wie nützlich sein Wing Chun bald sein wird.

Szenenbild aus Ip Man

Schon «Fearless» versuchte sich an der biografischen Verfilmung einer Martial-Arts-Legende. Dies zwar in sehenswerter Weise, aber vollauf überzeugte er mich nicht. Die Steigerung davon nennt sich «Ip Man» und wurde mit zwei würdigen Fortsetzungen bedacht.

Die Überzeugungskraft von derartigen Filmen hängt massgebend von dem Mann ab, welcher den Helden verkörpert. Im Falle von «Ip Man» ist dies Donnie Yen, der seine Rolle wahrlich meisterhaft ausfüllt. Seine Figur wirkt besonnen und weise, versucht Konflikte fair und soweit möglich mit Worten zu lösen, strahlt aber gleichzeitig eine unantastbare Selbstsicherheit aus, die er vor allem in den Kämpfen eindrücklich aufzeigt. Diese Kombination von vorsichtig-bedächtigem Handeln und effizienter, stilsicherer Kampfmaschine vereint Yen mühelos und überzeugend in seiner Person.

Auf diese Weise gelingt es «Ip Man» nicht nur die Kämpfe, sondern auch die dramatischen Momente glaubhaft darzustellen. Von beidem gibt es viele, wobei wir allerdings beim grössten Problem des asiatischen Werks angekommen sind. Die häufigen Wechsel von der tiefgängigen Dramatik zu den reisserischen Kämpfen und wieder zurück klappen nicht immer reibungslos. Insbesondere der Übergang von dem Friedenszustand in die Kriegszeit hinein erfolgt mir zu abrupt und unvorhersehbar, sodass eine Weile vergeht, bis ich mich daran gewöhne.
Im Übrigen gibt sich die Inszenierung jedoch keine Blösse. Detailverliebte Sets, düstere, aber ausgewogene Bilder sowie passende, aber für Europäer dennoch nicht irritierende Musik.

Szenenbild aus Ip Man

Alle positiven Bewertungspunkte in Ehren, aber von einem Martial-Arts-Film erwartet wohl jeder auch ausgiebige Fights. Und genau die gibt es in «Ip Man» eben auch genügend und glücklicherweise hervorragend über die gesamte Laufzeit verteilt. Der Wing-Chun-Meister ist mehrmals gezwungen, seine Kampfkünste unter Beweis zu stellen, wobei es einzig ein wenig an Spannung mangelt, weil der Routinier stets überlegen wirkt und kaum je in Gefahr gerät, eine Niederlage einzufahren. Dies macht mir aber nicht viel aus, da die Kämpfe derart schnell, abwechslungsreich und furios inszeniert sind, dass einem glatt der Atem stockt. Action- und Kampfsportfans dürfen rundum zufrieden sein.

Fazit: «Ip Man» macht fast alles richtig. Für mich der beste reine Kampfsportfilm, den ich kenne. Rasante Kämpfe, die wirklich Freude bereiten, ein starker Hauptdarsteller und Top-Inszenierung.

Übrigens: Die weiteren Teile «Ip Man 2» und «Ip Man Zero» haben mich genauso überzeugt und sind ebenbürtig. Somit stellt diese Trilogie ein Highlight meiner DVD-Sammlung dar.

 
Originaltitel: Yip Man
Regie: Wilson Yip April 2011
 

Teile:
Ip Man
Ip Man 2
Ip Man Zero